Kommunikationskennzahlen: 7 KPIs, die Wirkung messen
Zuletzt aktualisiert am 30. September 2026 um 06:44 Uhr.Kommunikationskennzahlen sind quantifizierbare Messgrößen, mit denen Unternehmen den Erfolg ihrer Kommunikationsmaßnahmen entlang definierter Ziele bewerten – von der Reichweite über die Wahrnehmung bis zum Wertschöpfungsbeitrag. Wer B2B-Kommunikation steuern will, braucht kein Dashboard mit 30 Datenpunkten, sondern ein Set aus fünf bis sieben belastbaren KPIs, die über Vanity Metrics hinausgehen und in ein konsistentes Reporting-Layout münden. Dieser Artikel arbeitet mit sieben Kennzahlen, weil sich damit jede Stufe der Wirkungskette abdecken lässt: Er definiert diese sieben Kennzahlen der Kommunikationssteuerung, grenzt sie von Eitelkeitsmetriken ab und zeigt, wie ein Reporting-Dashboard aufgebaut wird, das Entscheidungen ermöglicht.

Was Kommunikationscontrolling von beliebigem Reporting unterscheidet
Kommunikationscontrolling ist die systematische Planung und Steuerung von Kommunikationsmaßnahmen anhand messbarer Ziele, einschließlich der laufenden Kontrolle der Zielerreichung – nicht zu verwechseln mit Reporting, das Daten sammelt, ohne eine Steuerungslogik dahinter zu legen. Der Unterschied klingt akademisch, ist aber kaufmännisch entscheidend: Ein Report zeigt, was passiert ist. Kommunikationscontrolling zeigt, ob das Richtige passiert ist, und leitet daraus die nächste Maßnahme ab. Zwei Rahmenwerke geben diesem Anspruch Struktur: das DPRG/ICV-Wirkungsstufenmodell als deutschsprachiger Standard und die Barcelona Principles 3.0 als internationaler Konsens. Beide setzen an derselben Stelle an – ohne definiertes Ziel keine sinnvolle Messung.
Wer die digitale Landschaft seiner Branche verstehen will, kommt an der Auswertung von Daten aus Suchmaschinen, sozialen Netzwerken, Websites und CRMs nicht vorbei. Wie sich aus diesen Quellen belastbare Erkenntnisse statt bloßer Momentaufnahmen gewinnen lassen, zeigen die Analysen und Audits – der Ausgangspunkt jeder Kennzahl, die eine Entscheidung auslösen soll.
Das DPRG/ICV-Wirkungsstufenmodell im Überblick
Das Wirkungsstufenmodell von DPRG und Internationalem Controller Verein gliedert die Wirkung von Kommunikation in vier aufeinander aufbauende Stufen: Input, Output, Outcome und Outflow. Input beschreibt die eingesetzten Ressourcen – Budget, Personal, Zeit. Output misst die erzeugte Reichweite und die bespielten Touchpoints. Outcome erfasst, was beim Empfänger ankommt: Wahrnehmung, Wissen, Einstellungsänderung. Outflow beziffert den Wertschöpfungsbeitrag, also den messbaren Einfluss auf Geschäftsziele wie Umsatz, Kundenbindung oder Marktanteil. Die Stärke des Modells liegt darin, dass es Kommunikation in der Sprache des Controllings verhandelbar macht.
| Wirkungsstufe | Was wird gemessen | Beispiel-KPI |
|---|---|---|
| Input | Eingesetzte Ressourcen (Budget, Personal) | Kommunikationsbudget in Euro |
| Output | Erzeugte Reichweite und Touchpoints | Unique Reach, Medienplatzierungen |
| Outcome | Wahrnehmung, Wissen, Einstellung | Markenbekanntheit, Engagement Rate |
| Outflow | Wertschöpfungsbeitrag | Kommunikations-ROI, Lead-zu-Abschluss-Rate |
Barcelona Principles 3.0 und AMEC Integrated Evaluation Framework
Die Barcelona Principles formulieren sieben Grundsätze für die Kommunikationsmessung: Zielsetzung geht jeder Messung voraus, Outcomes sind wichtiger als Outputs, Advertising Value Equivalents (AVEs) sind keine valide Messgröße, quantitative und qualitative Methoden gehören zusammen, Social Media wird gemessen, Transparenz und Reproduzierbarkeit sind Pflicht, und Messung muss Integrität und Ehrlichkeit wahren. Das AMEC Integrated Evaluation Framework übersetzt diese Prinzipien in ein operatives Werkzeug mit sieben Schritten – von der Zieldefinition über die Kanalplanung bis zur Wirkungsmessung auf Impact-Ebene. Für B2B-Kommunikation ist das Framework besonders relevant, weil es kanalübergreifende Evaluation erzwingt statt Silo-Messung zuzulassen. Wer LinkedIn-Engagement isoliert betrachtet, ohne die Wirkung auf Lead-Qualität oder Vertriebspipeline zu prüfen, misst am Geschäftsziel vorbei.
Sieben Kennzahlen der Kommunikationssteuerung – Definition und Erhebung
Sieben KPIs decken die gesamte Wirkungskette von der Sichtbarkeit bis zum Geschäftsergebnis ab: Reichweite, Engagement Rate, Share of Voice, Markenbekanntheit, Lead-Qualität, Conversion Rate und Kommunikations-ROI. Diese sieben Kommunikationskennzahlen sind bewusst so ausgewählt, dass sie der Logik des DPRG/ICV-Modells folgen und sich jeweils einer Wirkungsstufe zuordnen lassen. Jede Kennzahl wird im Folgenden mit Definition, Erhebungsmethode und Interpretationshinweis vorgestellt.
Eine Zahl belegt, dass etwas passiert ist; warum es passiert ist, erklärt sie nicht. Wer den Unterschied zwischen Reichweite und messbarem Ergebnis – Klicks, Leads, Anfragen, Verkäufen – verstehen und jede Maßnahme an ein konkretes Ziel koppeln will, findet die entscheidenden Grundlagen unter Kennzahlen einer Performance-Marketing-Agentur.
Reichweite und Share of Voice – den Markt quantifizieren
Reichweite misst, wie viele Personen eine Kommunikationsmaßnahme potenziell oder tatsächlich erreicht hat. Die Unterscheidung zwischen Unique Reach (einzelne Personen) und Impressions (Gesamtzahl der Ausspielungen) ist dabei nicht kosmetisch, sondern methodisch: 10.000 Impressions können 2.000 Personen bedeuten, die denselben Beitrag fünfmal gesehen haben. Für die Steuerung ist Unique Reach die belastbarere Größe. Share of Voice setzt die eigene Sichtbarkeit ins Verhältnis zum Wettbewerb – gemessen über Social-Listening-Tools, Medienresonanzanalysen oder Suchvolumen-Anteile. Ein Share of Voice von 15 % in einem Markt mit fünf relevanten Anbietern ist eine andere Aussage als 15 % in einem fragmentierten Feld mit 50 Stimmen. Erst im Verhältnis zur Marktstruktur lässt sich der Wert einordnen und für die Planung nutzen.
Engagement Rate und Content-Interaktion messen
Die Engagement Rate berechnet sich als Interaktionen geteilt durch Reichweite, multipliziert mit 100. Interaktionen umfassen je nach Kanal Likes, Kommentare, Shares, Klicks oder Saves. Im B2B ist die Interpretation grundlegend anders als im B2C: Eine Engagement Rate von 0,8 % auf LinkedIn kann für ein Nischenthema im Maschinenbau exzellent sein, weil jeder einzelne Interagierende ein potenzieller Entscheider mit sechsstelligem Auftragsvolumen ist. Die absolute Zahl der Interaktionen sagt deshalb wenig über den Erfolg aus; aussagekräftiger ist der Wert pro Interaktion, also die Frage, wer interagiert hat und welches Geschäftspotenzial dahintersteht.
| Kanal | Durchschnittliche Engagement Rate B2B | Benchmark-Kontext |
|---|---|---|
| LinkedIn (organisch) | 0,5–1,2 % | Höher bei Thought-Leadership-Formaten als bei Produktposts |
| X / Twitter | 0,2–0,5 % | Stark abhängig von Branchenrelevanz und Hashtag-Nutzung |
| E-Mail-Newsletter | 2,0–4,5 % (Click-to-Open) | B2B-Newsletter performen besser bei segmentierten Listen |
Markenbekanntheit, Lead-Qualität und Conversion Rate
Markenbekanntheit wird über Befragungen erhoben – gestützt (mit Markenvorgabe) oder ungestützt (freie Nennung). Die ungestützte Bekanntheit ist die härtere Währung, weil sie echte Präsenz im Relevant Set misst. Erhebungsintervalle von sechs bis zwölf Monaten sind im B2B realistisch; quartalsweise Messungen erzeugen Rauschen statt Trends. Lead-Qualität drückt sich im MQL-zu-SQL-Verhältnis aus – dem Anteil der Marketing Qualified Leads, die der Vertrieb als Sales Qualified Leads akzeptiert. Ein Verhältnis von 30 % bedeutet, dass sieben von zehn Leads die Vertriebskriterien nicht erfüllen. Diese Zahl ist die direkteste Schnittstelle zwischen Marketing und Vertrieb. Die Conversion Rate im Kommunikationskontext misst nicht nur den Kaufabschluss, sondern jeden definierten Zielschritt: Download eines Whitepapers, Anmeldung zum Webinar, Buchung eines Beratungsgesprächs.
Kommunikations-ROI berechnen – Formel und Fallstricke
Der Kommunikations-ROI berechnet sich als: (Kommunikationsbeitrag zum Umsatz – Kommunikationskosten) / Kommunikationskosten. Die Formel ist einfach, die Erhebung nicht. Der Kommunikationsbeitrag zum Umsatz erfordert ein Attribution-Modell, das den Einfluss einzelner Maßnahmen auf den Abschluss isoliert. Laut der B2B-Content-Marketing-Studie des Content Marketing Institute (2025) geben 56 % der B2B-Marketer an, mit genau dieser ROI-Attribution zu kämpfen. Das Problem ist nicht die Mathematik, sondern die Datenlage: Wenn CRM, Marketing-Automation und Web-Analytics nicht sauber verknüpft sind, bleibt der Zähler der Formel eine Schätzung.
Dass eine Conversion stattgefunden hat, ist die eine Hälfte der Wahrheit; welcher Inhalt daran welchen Anteil hatte, die weit wichtigere andere. Warum sich 56 Prozent der B2B-Marketer an der ROI-Attribution abarbeiten und welche Content-Attribution-Modelle im B2B-Marketing diese Lücke schließen, ist an dieser Stelle nachvollziehbar aufbereitet.
| KPI | Formel | Typischer Erhebungsrhythmus |
|---|---|---|
| Kommunikations-ROI | (Umsatzbeitrag – Kosten) / Kosten | Quartalsweise |
| Conversion Rate | Conversions / Besucher × 100 | Monatlich |
| MQL-zu-SQL-Verhältnis | SQL / MQL × 100 | Monatlich |
Vanity Metrics erkennen und aus dem Dashboard entfernen
Eine Vanity Metric ist ein Datenpunkt, der beeindruckend aussieht, aber keinen Rückschluss auf Geschäftserfolg erlaubt. Follower-Zahlen, Seitenaufrufe ohne Verweildauer, Impressions ohne Engagement – all das füllt Dashboards, ohne ihre Aussagekraft zu erhöhen. Bei über 60 % der Teams stört schlechte Datenqualität die Lead-Übergabe zwischen Marketing und Vertrieb, wie Klipfolio (2025) unter Bezug auf den State of Marketing Data 2025 berichtet. Ein wesentlicher Grund: Vanity Metrics erzeugen ein Gefühl von Fortschritt, das der Vertrieb nicht bestätigen kann. Der „So what?"-Test entlarvt Eitelkeitsmetriken zuverlässig.
| Vanity Metric | Warum problematisch | Handlungsrelevante Alternative |
|---|---|---|
| Follower-Zahl | Kein Rückschluss auf Interaktion oder Kaufbereitschaft | Engagement Rate qualifizierter Zielgruppen |
| Seitenaufrufe (gesamt) | Keine Aussage über Relevanz oder Verweildauer | Verweildauer qualifizierter Besucher |
| Impressions | Zählt Ausspielungen, nicht Wahrnehmung | Unique Reach + Engagement |
Der „So what?"-Test für jede Kennzahl
Drei Prüffragen trennen handlungsrelevante Kennzahlen von Dekoration: Kann die Kennzahl eine Entscheidung auslösen? Wenn eine Zahl steigt oder fällt und niemand im Team deshalb etwas anders macht, gehört sie nicht ins Dashboard. Ist die Kennzahl reproduzierbar? Eine Messung, die beim nächsten Mal anders erhoben wird, liefert keinen Trend. Korreliert die Kennzahl mit einem Geschäftsziel? Seitenaufrufe korrelieren nicht automatisch mit Leads; die Verweildauer qualifizierter Besucher auf einer Produktseite schon eher. Wer diese drei Fragen konsequent stellt, reduziert ein typisches Dashboard von 20 Datenpunkten auf die fünf bis sieben, die Steuerung ermöglichen.
Reporting-Layout für die Kommunikationssteuerung aufbauen
Ein Reporting-Dashboard für Kommunikation bündelt die sieben KPIs in einer visuellen Struktur, die Entscheidungen ermöglicht, statt Daten zu präsentieren. Das Layout folgt der Wirkungskette von Input bis Impact – nicht der Reihenfolge, in der die Daten anfallen. Wer das Dashboard nach Datenquellen statt nach Wirkungsstufen organisiert, baut ein technisches Monitoring, kein Steuerungsinstrument.
Dashboard-Architektur entlang der Wirkungskette
Die obere Ebene zeigt strategische KPIs: Kommunikations-ROI und Markenbekanntheit. Diese Zahlen interessieren die Geschäftsführung und werden quartalsweise aktualisiert. Die mittlere Ebene bildet taktische KPIs ab: Engagement Rate, Lead-Qualität, Conversion Rate. Diese Zahlen steuern die operative Planung und werden monatlich erhoben. Die untere Ebene liefert operative KPIs: Reichweite, Share of Voice, Output-Volumen. Diese Zahlen dienen der Tagessteuerung und werden wöchentlich oder in Echtzeit aktualisiert. Die Hierarchie ist kein Designvorschlag, sondern eine Steuerungslogik: Wer oben ein Problem sieht, bohrt nach unten, um die Ursache zu finden.
| Dashboard-Ebene | KPI-Typ | Aktualisierungsfrequenz |
|---|---|---|
| Strategisch (oben) | ROI, Markenbekanntheit | Quartalsweise |
| Taktisch (Mitte) | Engagement Rate, Lead-Qualität, Conversion Rate | Monatlich |
| Operativ (unten) | Reichweite, Share of Voice | Wöchentlich / Echtzeit |
Datenquellen konsolidieren – von Silos zum Single Source of Truth
Die größte Hürde beim Dashboard-Aufbau ist nicht die Visualisierung, sondern die Datenkonsolidierung. CRM, Social-Media-Plattformen, Web-Analytics und PR-Monitoring liefern Daten in unterschiedlichen Formaten und Rhythmen – und häufig mit abweichenden Definitionen. Ein mittelständisches B2B-Unternehmen, das drei Datenquellen in ein zentrales Dashboard überführt, reduziert den Reporting-Aufwand nach unseren Erfahrungswerten aus Kundenprojekten um rund 40 %; dieser Wert ist eine Schätzung aus der Praxis, kein Ergebnis einer Studie. Der Effekt entsteht dadurch, dass die manuelle Zusammenführung in Tabellenkalkulationen entfällt, während der Umfang der Messung gleich bleibt. Der entscheidende Schritt ist die Definition gemeinsamer Datenstandards: Was zählt als Lead? Ab wann gilt ein Kontakt als qualifiziert? Ohne diese Definitionen produziert auch das beste Dashboard widersprüchliche Zahlen.
KPI-Auswahl und Budgetplanung lassen sich nicht am Reißbrett festlegen, sondern entstehen in der gemeinsamen Arbeit von Marketing und Vertrieb. Wie analytisch fundierte, didaktisch aufbereitete Workshops aus einem Team einen kreativen Erkenntnisgewinn machen, zeigt das Consulting von Crispy Content®.
Interpretation von Kommunikationskennzahlen – Kontext schlägt Benchmark
Eine Kennzahl ohne Kontext ist eine Zahl. Interpretation erfordert den Abgleich mit eigenen Zielen, historischen Daten und Branchenbenchmarks – in genau dieser Reihenfolge. Wer zuerst auf den Branchendurchschnitt schaut, optimiert auf den Mittelwert statt auf das eigene Geschäftsziel. Eine Engagement Rate von 0,6 % ist irrelevant, solange nicht feststeht, ob das Ziel bei 0,4 % oder bei 1,2 % lag.
Drei Interpretationsebenen: vom Ziel über den Trend zum Benchmark
- Zielabgleich: Wurde das SMART-Ziel erreicht? Eine Conversion Rate von 3,2 % ist gut, wenn das Ziel bei 3 % lag, und schlecht, wenn es bei 5 % lag. Ohne die Zielvorgabe lässt sich der Wert nicht bewerten.
- Trendanalyse: Entwicklung über drei bis sechs Monate. Ein einzelner Monatswert ist ein Datenpunkt, kein Trend. Erst die Zeitreihe zeigt, ob eine Maßnahme wirkt oder ob ein Ausreißer vorliegt.
- Branchenbenchmark: Orientierung, nicht Zielwert. Benchmarks bilden den Durchschnitt ab – und der Durchschnitt ist per Definition kein Maßstab für Unternehmen, die überdurchschnittlich performen wollen.
Gut zu wissen: Der European Communication Monitor 2025/26 zeigt, dass erfolgreiche Kommunikation zunehmend auf Co-Creation und Dialog setzt – reine Reichweitenzahlen bilden diesen Wandel nicht ab. Wer Kommunikationskennzahlen interpretiert, muss also auch die Qualität der Interaktion bewerten, nicht nur deren Volumen.
Wie KI und Predictive Analytics die Kommunikationssteuerung verändern
KI verändert die Rolle der Analysefunktion im Marketing grundlegend – das ist keine Prognose, sondern eine Bestandsaufnahme. Predictive Analytics verschiebt den Fokus von rückblickender Messung zu vorausschauender Steuerung. Für Kommunikationskennzahlen bedeutet das: Statt am Monatsende festzustellen, dass die Conversion Rate gefallen ist, identifiziert ein prädiktives Modell den Rückgang in Echtzeit und schlägt eine Budgetumschichtung vor.
Von deskriptiver zu prädiktiver Kommunikationsanalyse
Die Entwicklung verläuft in drei Stufen, die aufeinander aufbauen. Deskriptive Analyse beantwortet die Frage „Was ist passiert?" – das klassische Reporting mit Reichweiten, Klickzahlen und Engagement-Werten. Diagnostische Analyse fragt „Warum ist es passiert?" und sucht über Korrelationsanalysen nach Ursachen: Hat die Engagement Rate nachgelassen, weil das Posting-Format gewechselt wurde, oder weil der Algorithmus die organische Reichweite gedrosselt hat? Prädiktive Analyse fragt „Was wird passieren?" und nutzt KI-gestützte Modelle, um Entwicklungen vorherzusagen. Für die B2B-Kommunikationsstrategie bedeutet der Sprung zur prädiktiven Stufe: Budgetallokation in Echtzeit statt quartalsweiser Anpassung. Zugegebenermaßen sind die wenigsten Kommunikationsabteilungen heute auf dieser Stufe angekommen. Aber die Richtung ist gesetzt, und wer sein Reporting-Dashboard jetzt sauber aufbaut, legt die Datengrundlage für den nächsten Schritt.
Eine dokumentierte Kommunikationsstrategie macht KPI-Auswahl und Budgetplanung nachvollziehbar. Wer den Aufbau nicht intern stemmen will, kann dafür externe Unterstützung hinzuziehen. Hinweis in eigener Sache: Crispy Content® begleitet als B2B-Kommunikationsagentur den Aufbau einer solchen Strategie.
Kommunikationskennzahlen als strategisches Steuerungsinstrument
Sieben KPIs, die entlang der Wirkungskette von Reichweite bis ROI aufgebaut sind, machen Kommunikation steuerbar. Die Abgrenzung zu Vanity Metrics schützt vor Fehlentscheidungen, ein strukturiertes Reporting-Layout macht Ergebnisse für Geschäftsführung und Vertrieb lesbar. Die Methodik ist dabei wichtiger als die Technologie: Ein sauber definiertes Dashboard in einer Tabellenkalkulation schlägt ein KI-gestütztes Tool mit unsauberen Daten. Datengetriebene Kommunikation ist deshalb in erster Linie eine Frage der Methodik und erst in zweiter Linie eine Frage der eingesetzten Technologie. Methoden schaffen Verlässlichkeit.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen einer Kommunikationskennzahl und einer Vanity Metric?
Eine Kommunikationskennzahl ist an ein definiertes Geschäfts- oder Kommunikationsziel gekoppelt und löst Handlungen aus. Eine Vanity Metric wie die reine Follower-Zahl zeigt Aktivität, liefert aber keinen Rückschluss auf Wirkung oder Wertschöpfung. Der Unterschied liegt nicht im Datenpunkt selbst, sondern in der Frage, ob eine Entscheidung daraus folgt.
Welche KPIs eignen sich speziell für B2B-Kommunikation?
Im B2B-Kontext sind Lead-Qualität (MQL-zu-SQL-Verhältnis), Share of Voice in Fachmedien und die Conversion Rate von Content-Touchpoints zu Vertriebskontakten besonders aussagekräftig. Der Grund: Die Zielgruppen sind kleiner, die Entscheidungszyklen länger und der Einzelwert pro Kontakt höher als im B2C. Eine Engagement Rate von 0,8 % auf LinkedIn kann im B2B wertvoller sein als 5 % auf einer Consumer-Plattform.
Wie viele Kommunikationskennzahlen sollte ein Dashboard enthalten?
Fünf bis sieben KPIs reichen aus, um die gesamte Wirkungskette abzubilden. Mehr Kennzahlen erhöhen die Komplexität, ohne den Informationsgewinn proportional zu steigern. Das AMEC Integrated Evaluation Framework empfiehlt, jede Kennzahl einem konkreten Ziel zuzuordnen. Eine Kennzahl, der sich kein Ziel zuordnen lässt, sollte deshalb aus dem Dashboard gestrichen werden.
Was sind die Barcelona Principles und warum sind sie für PR-KPIs relevant?
Die Barcelona Principles sind sieben von AMEC definierte Grundsätze für die Messung und Bewertung von Kommunikation. Sie legen fest, dass Zielsetzung jeder Messung vorausgehen muss, dass Ergebnisse (Outcomes) wichtiger sind als Outputs und dass Advertising Value Equivalents (AVEs) keine valide Messgröße darstellen. Für PR-KPIs bedeutet das: Medienresonanz allein reicht nicht – entscheidend ist, welche Wahrnehmungs- oder Verhaltensänderung die Berichterstattung ausgelöst hat.
Wie lässt sich der ROI von Kommunikationsmaßnahmen im B2B nachweisen?
Die Berechnungsformel für den Kommunikations-ROI ist im Abschnitt „Kommunikations-ROI berechnen" erläutert; entscheidend ist, dass der Umsatzbeitrag der Kommunikation dem eingesetzten Budget gegenübergestellt wird. Im B2B erfordert die Attribution ein sauberes Tracking über CRM und Marketing-Automation, weil Kaufentscheidungen mehrere Touchpoints und Entscheider umfassen. Ohne ein definiertes Attribution-Modell – ob First Touch, Last Touch oder gewichtet – bleibt der ROI eine Schätzung, keine Messung.
Quellen
AMEC (2020, bestätigt 2025): Barcelona Principles 3.0. URL: https://amecorg.com/amecframework/home/barcelona-principles/ (Zugriff am 28.08.2026).
AMEC (2016, Update 2026): Integrated Evaluation Framework. URL: https://amecorg.com/amecframework/ (Zugriff am 28.08.2026).
Zerfaß, A., Laborde, A., Buhmann, A. et al. (2025): European Communication Monitor 2025/26. URL: https://www.communicationmonitor.eu/ (Zugriff am 01.09.2026).
Content Marketing Institute (2025): B2B Content and Marketing Trends: Insights for 2026. URL: https://contentmarketinginstitute.com/articles/b2b-content-marketing-research/ (Zugriff am 02.09.2026).
DPRG / Internationaler Controller Verein (ICV) (2010, aktualisiert): Bezugsrahmen für Kommunikations-Controlling. URL: https://www.communicationcontrolling.de/grundlagen/bezugsrahmen/ (Zugriff am 03.09.2026).
Gartner (2025): Maturity Model for Marketing Analytics. URL: https://www.gartner.com/en/documents/6279299 (Zugriff am 04.09.2026).
Sekundärquelle: Klipfolio (2025): Vanity Metrics vs. Actionable Metrics (basierend auf State of Marketing Data 2025). URL: https://www.klipfolio.com/blog/vanity-metrics-vs-actionable-metrics (Zugriff am 07.09.2026).
Gerrit Grunert
Gerrit Grunert ist Gründer und CEO von Crispy Content®. 2019 veröffentlichter er das bei Springer Gabler erschienene Standard-Werk "Methodisches Content Marketing" sowie die Online-Kurs-Serie "Making Content". Privat ist Gerrit ein leidenschaftlicher Gitarren-Sammler, liest gern Bücher von Stefan Zweig und hört Musik von vorgestern.